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Quantitativ Sensorische Testung (QST)
Was ist die QST?
Was passiert bei der QST
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Was ist die Quantitativ Sensorische Testung (QST)?

Die Quantitativ Sensorische Testung, kurz QST, ist ein Untersuchungsverfahren, das eine umfassende Analyse der veränderten Hautsensibilität von Patienten, die an neuropathischem Schmerz leiden, ermöglicht. Mit einfachen Mitteln wie Pinsel und Wattebausch können sowohl die schmerzhaften Symptome als auch die sensiblen Defizite genau analysiert werden.

veränderte Hautsensibilität

Neuropathische Schmerzen werden bekanntermaßen durch eine Schädigung oder Erkrankung des peripheren oder zentralen Nervensystems verursacht.

Typischerweise gehen diese Schmerzen häufig mit einem veränderten, teilweise gesteigertem Empfinden für äußerliche Reize einher. So nehmen beispielsweise Patienten, die chronische Schmerzen nach einer Gürtelrose entwickeln (postzosterische Neuralgie), gehäuft schon das Überstreifen von Kleidung im betroffenen Hautareal als äußerst unangenehm oder gar schmerzhaft wahr. Ebenso empfinden neuropathische Schmerzpatienten oftmals harmlose, für den Gesunden nicht-schmerzhafte Wärme- oder Kältereize als extremen Schmerz.

Neben solchen positiven Symptomen wie Missempfindungen oder Überempfindlichkeit auf Reize können sich Nervenschmerzen auch durch so genannte negative sensorische Phänomene bemerkbar machen. Hier reagiert der Patient auf Reize wie Wärme, Kälte, Druck, Vibration oder Berührungen weniger empfindlich bis hin zur Taubheit.

Die beschriebenen schmerzhaften Symptome und sensiblen Ausfälle können in beliebiger Kombination miteinander auftreten, und das ganz unabhängig von der Grunderkrankung des Patienten.

individuelles Sensibilitätsprofil

Die charakteristisch veränderte Hautsensibilität bildet die Grundlage des QST-Verfahrens: Die genaue Analyse der schmerzhaften sensorischen Symptome und sensibler Defizite mittels QST liefert ein Sensibilitätsprofil des geschädigten Areals.

Damit lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die jeweiligen, den Beschwerden zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismen ziehen. So lässt sich einerseits eingrenzen, welche Nervenfasertypen besonders stark geschädigt sind und andererseits, ob die Schädigung im peripheren oder im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) vorliegt. Mit der QST können erstmals auch dünne Nervenfasern (small fibers) untersucht werden, die mit anderen Verfahren nicht fassbar sind. Auf dieser Grundlage soll künftig eine gezielte und auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie möglich werden.

Nervenschmerzen richtig messen

Der DFNS konnte das QST-Verfahren durch Entwicklung eines standardisierten Untersuchungsprotokoll optimieren.¹ Alle DFNS-Zentren führen auf Basis dieses Protokolls erfolgreich QST-Untersuchungen durch. Zertifizierte Schulungen und Ringversuche gewährleisten das hohe Niveau dieser Untersuchungsmethode.

Der DFNS konnte zudem alters-, geschlechts-, und lokalisationsabhängige Normwerte für die QST ermitteln. Der Vergleich der einzelnen QST-Messwerte eines Patienten mit den Normwerten erlaubt Aussagen darüber, ob neuropathischer Schmerz und welche Schmerzformen hier genau vorliegen.

QST-Labore in Kliniken, Abteilungen, Praxen und sonstigen Insitutionen können nun auch am Zertifizierungsverfahren "Quantitative Sensorische Testung nach Profilen des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz" teilnehmen. Mehr zur QST-Zertifizierung sowie eine Liste bereits zertifizierter QST-Labore können Sie hier einsehen.

¹ (Rolke R, Baron R, Maier C, Tölle TR, Treede RD et al. (2006) Quantitative Sensory Testing in the German Research Network on Neuropathic Pain (DFNS): Standardized Protocol and Reference Values. Pain 123(3):231-243. Erratum in: Pain (2006) 125(1-2):197)

Was passiert bei der QST?

Die standardisierte QST-Testbatterie des DFNS geht den neuropathischen Schmerzen mit 7 Tests, bei denen insgesamt 13 Parameter erfasst werden, auf den Grund. Die Messungen für ein betroffenes Körperareal beanspruchen etwa 30 Minuten. Zur Kontrolle wird eine QST-Messung des gleichen Areals der entsprechenden gesunden Körperseite durchgeführt. Die Anwendungen erfolgen ausschließlich auf der Haut:

1)
Mit Hilfe einer Thermode (Peltier-Element) werden computergesteuerte Temperaturreize verabreicht und folgende Eigenschaften des Temperaturempfindens erfasst:

  • die Fähigkeit, Kälte und Wärme wahrzunehmen (Wahrnehmungsschwelle für Kälte und Wärme bzw. Warm- und Kalt-Detektionsschwelle),
  • die Fähigkeit, wechselnde warme und kalte Reize voneinander zu unterscheiden (Thermisch Sensorisches Limen),
  • ob kalte Reize als heiß empfunden werden (paradoxe Hitzeempfindung) sowie
  • ab welcher Temperatur Kälte und Wärme als schmerzhaft empfunden werden (Schwellen für Kälte- und Hitzeschmerz).

thermische QST-Testung
(zur Vollansicht bitte auf das Bild klicken)

2)
Mittels dünner Nylonfilamente, so genannter von Frey Haare, wird getestet wie gut der Patient feine Berührungen wahrnehmen kann (Schwelle für Berührungswahrnehmung bzw. taktile Detektionsschwelle) .

Mehr dazu in folgendem Video:

3)
Die mechanische Schmerzschwelle prüft die Fähigkeit, spitze, stechende Reize wahrzunehmen. Hier werden mittels Pinprick-Stimulatoren "Nadelreize" verabreicht. Die stumpfen Nadeln können durch ihr variables Gewicht unterschiedliche Reizempfindungen bis hin zu einem spitzen pieksenden Schmerz erzeugen. Die Haut wird dabei nicht verletzt.

Mehr dazu in folgendem Video:

4)
Weiterhin wird die Schmerzhaftigkeit verschiedener Nadelreize erfasst (mechanische Schmerzsensitivität bzw. Pinprick Hyperalgesie) sowie, ob bereits leichte Berührungsreize als schmerzhaft empfunden werden (dynamisch mechanische Allodynie):

  • Mittels Pinprick-Metallstiften werden die unterschiedlichen Nadelreize gesetzt. Der Proband beurteilt dabei die Schmerzhaftigkeit der einzelnen Nadelreize auf einer Skala von 0-100. (Video zum Pinprick-Verfahren: s. Punkt 3))
  • Eingestreut zwischen die Nadelreiz-Testung erfolgt die Untersuchung der so genannten Allodynie. Hier bewertet der Proband wie schmerzhaft er Berührungen mittels Wattebausch, Q-Tip oder Pinsel empfindet, die beim Gesunden keinen Schmerz auslösen.

Mehr zur Bestimmung der Allodynie in folgenden Videos:


Testung auf Allodynie mit Wattebausch


Testung auf Allodynie mit Q-Tip


Testung auf Allodynie mit Pinsel

5)
Die Untersuchung, ob Veränderungen des zentralen Nervensystems vorliegen, die zu einer anhaltenden Schmerzverstärkung führen (Wind-up-Phänomen), erfolgt ebenfalls mittels Pinprick-Verfahren: Der Proband bewertet zuerst die Schmerzintensität eines einzelnen Nadelreizes auf einer Skala von 0-100 und vergleicht diese anschließend mit der einer Serie von 10 Nadelreizen hintereinander.

Mehr dazu in folgendem Video:

6)
Mit einer standardisierten Stimmgabel (Rydel-Seiffer-Vibrationsgabel) wird getestet wie gut der Patient Vibrationen wahrnehmen kann (Wahrnehmungsschwelle für Vibration).

Mehr dazu in folgendem Video:

7)
Die Druckschmerzschwelle wird mit Hilfe eines Druckalgometers gemessen. Damit lässt sich bestimmen wie empfindlich Probanden auf stumpfen Druck reagieren.

Mehr dazu in folgendem Video: